Demo 1×1

Vorbereitung

Wir empfehlen euch, euch auf die Teilnahme an unserer Demonstration vorzubereiten. Am besten ihr macht das gemeinsam mit einigen Freund*innen, indem ihr eine Bezugsgruppe bildet. Einer Bezugsgruppe gehören typischerweise zwischen 4 und 10 Personen an. Innerhalb einer Bezugsgruppe gibt es einen vorher abgesprochenen Aktionskonsens, das bedeutet ihr habt darüber gesprochen, welche Aktionsformen ihr bereit seid, mitzumachen und wie weit ihr dabei jeweils gehen möchtet, damit es möglichst nicht zu Grenzüberschreitungen bei euch oder euren Freund*innen kommt. Gerade wenn ihr viele Menschen in einer Bezugsgruppe seid oder ihr noch relativ unerfahren seid, was Demonstrationen betrifft, bietet es sich an, dass ihr innerhalb eurer Bezugsgruppe Paare bildet, sogenannte Bodypartner*innen, die dann besonders aufeinander achten.

Wenn ihr in München wohnt oder schon vor dem 27. Oktober in der Stadt seid, bietet es sich an, dass ihr euch vor Ort ein Bild macht, beispielsweise indem ihr die Aufzugsstrecke der Abtreibungsgegner*innen sowie unsere Demoroute einmal ablauft. Achtet dabei besonders auf natürliche Engstellen, etwa durch Baustellen, sowie auf mögliche Fluchtwege über Seitenstraßen, durch Parkanlagen oder Hinterhöfe. Wenn ihr die Örtlichkeit kurz vor der Demonstration besichtigt, könnt ihr häufig auch am Fahrbahnrand abgestellte Hamburger Gitter beobachten. Diese lassen Rückschlüsse darauf zu, welche Seitenstraßen am Tag der Demonstration durch Gitter versperrt sein könnten.

Was ihr mitnehmen solltet

Ausreichend Wasser | Damit ihr nicht verdurstet solltet ihr ausreichend zu trinken mitnehmen. Dabei bietet es sich an, Wasser mitzunehmen. Sollten die Cops nämlich Pfefferspray gegen euch einsetzen, könnt ihr euch mit dem Wasser die Augen und andere betroffenen Stellen ausspülen.

Zettel und Stift | Auch auf Demonstrationen kann es passieren, dass ihr auf die Schnelle etwas aufschreiben wollt. Egal ob den Namen einer*eines Inhaftierten oder die Dienstnummer eines besonders widerlichen Cops.

Genügend Essen | Bewegung an der frischen Luft macht hungrig. Da es passieren kann, dass ihr während einer Aktion keine Möglichkeit habt, euch etwas zu essen zu besorgen, solltet ihr lieber selbst genügend zu Essen dabei haben. Schnelle Energie bekommt ihr beispielsweise durch Traubenzucker.

Kapuzenpullover/Windbreaker | Damit ihr vor jeder Witterung gut geschützt seid, solltet ihr einen Kapuzenpullover oder einen Windbreaker mitnehmen. Diese können auch vor unliebsamen Blicken schützen.

Ersatz T-Shirt | Falls euer T-Shirt nass wird, solltet ihr unbedingt ein Ersatz T-Shirt dabei haben. Bei starker Sonnenstrahlung könnt ihr euch daraus auch einen guten „Sonnenschutz“ basteln. Damit das gut funktioniert, sollte der Ausschnitt des T-Shirts möglichst klein sein.

Personalausweis/Pass | Wenn ihr von den Cops kontrolliert werdet, solltet ihr euch ausweisen können, um ihnen keinen Grund zu geben, euch unnötig lange festzuhalten.

Verbandsmaterial mit Einmalhandschuhen | Es empfiehlt sich grundsätzlich, dass eine Person in eurer Bezugsgruppe etwas Verbandsmaterial mitnimmt, um im Fall von Verletzungen Erste Hilfe leisten zu können. Vergesst dabei auch Einmalhandschuhe nicht, mit denen ihr euch vor Keimen schützen könnt.

Festes Schuhwerk | Ihr solltet auf Demonstrationen bequeme Schuhe tragen, in denen ihr sowohl längere Strecken laufen als auch rennen könnt.

Nummer des Ermittlungsausschusses (EA) | Am besten ihr schreibt die Nummer des EAs mit einem wasserfesten Stift irgendwo auf euren Körper, damit sie euch nicht weggenommen werden kann oder aus versehen verloren geht. Am besten ihr wählt dafür eine von eurer Kleidung verborgene Stelle (zum Beispiel auf dem Bauch), um auf dem Weg zur Demonstration nicht aufzufallen.

Was ihr lieber nicht mitnehmen solltet

Euer Smartphone | Auf eurem Smartphone sind sensible Informationen über euch und eure Freunde gespeichert. Da es zuweilen vorkommt, dass sich die Cops für diese Informationen interessieren und eure Smartphones zu diesem Zweck beschlagnahmen, solltet ihr diese besser gar nicht erst mitnehmen. Solltet ihr wirklich nicht auf euer Smartphone verzichten können, empfiehlt es sich, den Speicher darauf vorher zu verschlüsseln.

Substanzen die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen | Diese können euch im Fall einer Durchsuchung durch die Cops eine Menge unnötigen Ärger einbringen.

Persönliche Schriftstücke | Es kann passieren, dass die Cops euch durchsuchen und diese beschlagnahmen. Und das geht sie nun wirklich nichts an!

Waffen | Auf Demonstrationen in Bayern herrscht ein Waffenverbot. Als Waffen können dabei entgegen der üblichen Vorstellung auch Taschenmesser, Scheren (auch Verbandsscheren), usw. zählen. Am besten lasst ihr solche Gegenstände daher gleich zuhause und erspart euch damit den entsprechenden Ärger. Achtet auch darauf, dass bestimmte Gegenstände als „Schutzwaffen“ gelten und ebenfalls verboten sind, beispielsweise Schuhe mit Stahlkappen, Helme, usw.

Auf dem Weg zur Demonstration

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen auf dem Weg zu einer Demonstration von Cops aufgehalten und durchsucht, ja zuweilen gar in Gewahrsam genommen werden. Deshalb empfehlen wir euch, euch auf dem Weg zu unserer Demonstration möglichst unauffällig zu verhalten. Solltet ihr von den Cops aufgehalten werden oder beobachten, dass andere Menschen aufgehalten werden, informiert bitte umgehend den Ermittlungsausschuss (EA).

Damit die Cops euch nicht ohne weiteres als Demonstrationsteilnehmer*innen identifizieren können, empfiehlt es sich, möglichst bunte Kleidung ohne szenetypische Erkennungsmerkmale (Antifa-Logos, Anarcho-As, usw.) zu tragen. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, könnt ihr eure Rucksäcke auch in Einkaufstaschen verstauen. Dann seht ihr aus, wie ganz gewöhnliche Menschen auf „Shopping-Tour“ an einem Samstag Mittag.

Verhalten auf der Demonstration

Auf Demonstrationen kommt es immer wieder zu Übergriffen der Cops auf die Teilnehmer*innen, beispielsweise dann wenn die Cops glauben, eine*r hätte Straftaten aus der Demo heraus begangen, aber auch dann, wenn die Cops mit dem Weg, den eine Demonstration nimmt nicht einverstanden sind.

In solchen Situationen ist es wichtig, nicht in Panik zu geraten. Gerade dann, wenn alle panisch vor den Cops zurückweichen, machen wir es ihnen umso leichter, einzelne Personen herauszugreifen. Wenn wir unsere Demo jedoch gegen Übergriffe der Cops verteidigen, indem wir einfach stehen bleiben, ggf. Ketten bilden, indem wir uns bei den Personen neben uns einhaken (wichtig ist dabei, dass die Ketten immer Senkrecht zur Richtung, aus der die Cops versuchen in die Demo einzudringen sind, sonst begünstigen sie sogar eine Trennung der Demo) und dann gemeinsam besprechen, was zu tun ist, indem wir ein Delegierten-Plenum (Deli-Plenum) mit Delegierten aller Bezugsgruppen einberufen, ist es für die Cops beinahe unmöglich, einzelne Personen herauszugreifen.

Wir haben keine Lust, uns von Cops vorschreiben zu lassen was wir zu tun haben. Auf einer Demo nicht und auch sonst nicht!

Verhalten im Fall einer Personenkontrolle bzw. Ingewahrsamnahme

Beim Umgang mit den Cops gilt grundsätzlich: keine Aussagen, keine Zusammenarbeit mit den Repressionsbehörden! Das dient nicht nur eurem Schutz, sondern auch dem Schutz anderer Personen, auch dann, wenn das nicht direkt ersichtlich ist.

Immer wieder kommt es vor, dass Cops behaupten ihr wärt verpflichtet, Aussagen zu machen, dass sie euch damit drohen, euch einzusperren wenn ihr keine Aussagen macht oder euch versprechen, euch im Falle einer Aussage schneller zu entlassen. Stimmt alles nicht. Das Einzige zu dem ihr verpflichtet seid, sind Aussagen zu eurer Person und diese beschränken sich auf die Angaben, die auf eurem Personalausweis vermerkt sind, nämlich Name, Meldeadresse, Geburtsdatum. In allen anderen Fragen könnt und solltet ihr die Aussage verweigern. Denn selbst wenn ihr euch mit einer Aussage selbst entlastet, könntet ihr ungewollt eine andere Person belasten. Das kann zuweilen auch indirekt passieren: Denn wenn ihr es nicht gewesen seid, muss es eine andere Person gewesen sein und der Kreis der Verdächtigen ist zumweist beschränkt. Umgekehrt gilt das jedoch auch: Wenn ihr eine vermeintliche Straftat gesteht, bei der die Cops weitere Täter*innen vermutet, kann es sein, dass ihr mit eurem Geständnis auch andere Personen belastet.

Deshalb macht grundsätzlich keine Aussagen zu irgendetwas bei der Polizei. Sollte es später gtatsächlich zu einer Gerichtsverhandlung kommen, könnt ihr dort in Absprache mit eventuellen anderen Betroffenen und mit Anwält*innen immer noch überlegen, ob es Sinn macht, eine Aussage zu machen. Nachteile dürfen euch aus der Tatsache, dass ihr von eurem Recht zu schweigen Gebrauch macht, nicht entstehen.

Achtet auf jeden Fall auch darauf, dass ihr euch in scheinbar belanglosen Gesprächen nicht zu Aussagen verleiten lasst. Die Cops sind psychologisch darauf geschult, euch auch auf diesem Weg Aussagen zu entlocken. Da kann es schon einmal passieren, dass sie euch ganz freundlich einen Kaffee, eine Zigarette oder sonst etwas anbieten, nur um mit euch ins Gespräch zu kommen. Wenn ihr euch in so einer Situation unsicher fühlt, solltet ihr euch lieber gar nicht erst auf ein Gespräch mit den Cops einlassen und im Zweifelsfall auch Angebotenes ablehnen.

Nach der Demonstration

Solltet ihr im Zusammenhang mit der Demonstration Ärger mit der Polizei bekommen, könnt ihr jederzeit bei der Rechtshilfe der Roten Hilfe OG München vorbei kommen (Termine siehe hier, üblicherweise jeden Mittwoch von 18 bis 19 Uhr in der Schwanthalerstraße 139, Rgb.). Insbesondere wenn ihr Post von Polizei und Justiz bekommt solltet ihr euch dort melden.

Wenn ihr im Zusammenhang mit der Demonstration Erlebnisse gemacht habt, über die ihr mit irgendeiner*m reden wollt und die euch belasten, könnt ihr euch beispielsweise an eine Out of Action Gruppe wenden. München: https://outofaction.blackblogs.org/?page_id=1091

Weiterführende Materialien