Pressemitteilung vom 12. Mai 2019

Mehrere hundert Menschen demonstrieren in München gegen radikale Abtreibungsgegner*innen 

Pro Choice Bündnis freut sich über entschlossenen Protest gegen „1000 Kreuze Marsch“ 

München, 12. Mai 2019 – Mehrere hundert Aktivist*innen demonstrierten am Freitag und Samstag gegen den Aufmarsch radikaler Abtreibungsgegner*innen in München. Überschattet wurden die vom Bündnis Pro Choice München organisierten Proteste von zahlreichen Fällen teils massiver Polizeigewalt gegenüber Demonstrierenden und Pressevertreter*innen. 

Fronttransparent der queerfeministischen Demonstration am Freitag. Bild: Reflektierter Bengel

Mit einer queerfeministischen Demonstration am Freitagabend eröffnete das Pro Choice Bündnis München das Aktionswochenende. Über 200 Menschen zogen lautstark durch die Innenstadt, um ein Zeichen für sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Rechte zu setzen und klare Kante gegen antifeministische Positionen zu zeigen. Am Samstag, dem Tag des so genannten „1000 Kreuze Marsches“, folgten erneut mehrere Hundert Aktivist*innen aus ganz Bayern und Österreich dem Aufruf des Pro Choice Bündnisses, um gegen den Aufmarsch radikaler Abtreibungsgegner*innen zu demonstrieren.  

Aktivist*innen setzen ein Zeichen für Selbstbestimmung  

Die selbst ernannte „Lebensschutz“-Bewegung will in die Offensive. Ihr Hauptziel ist es Schwangerschaftsabbrüche zu verunmöglichen, was zur Folge hätte, dass noch mehr Menschen an den Folgen unsicherer Abbrüche sterben oder schwerwiegende Komplikationen erleben müssten. „Mit unseren Protesten an diesem Wochenende wollten wir Gegenpositionen zu dieser menschenverachtende Ideologie in die Öffentlichkeit tragen und ein Zeichen dafür setzen, dass jeder Mensch selbst über den eigenen Körper und das was damit passiert entscheiden darf“, sagt Lina Weber, Sprecherin des Münchner Pro Choice Bündnisses. Diese Positionen wurden in zahlreichen Redebeiträgen bei der Demonstration am Freitag und samstags bei den Kundgebungen an der Frauenkirche, wo der „1000 Kreuze Marsch“ traditionell beginnt, am Haus der Kunst sowie an der Luitpoldbrücke aufgegriffen. 

Mit dem Flammenwerfer gegen Feminist*innen

Der Aufzug der Abtreibungsgegner*innen wurde fortlaufend von lautstarkem Protest begleitet. In der Prinzregentenstraße wurde der Marsch durch ca. 30 Aktivist*innen mit einer Sitzblockade kurzzeitig aufgehalten. Die Blockade wurde von der Polizei geräumt. Auf der Luitpoldbrücke wurden die Teilnehmer*innen des „1000 Kreuze Marsches“ von Aktivist*innen gestört. Hier gab es zwei Festnahmen. 

Polizei mit Schlagstockeinsatz gegen NIKA-Kundgebung. Bild: Reflektierter Bengel

Überschattet wurden die Proteste von zahlreichen Fällen teils massiver Polizeigewalt. „Der gesamte Polizeieinsatz wirkte von Beginn an unkoordiniert und planlos. Das führte wohl dazu, dass die zahlreich eingesetzten Beamt*innen von Bereitschaftspolizei und Unterstützungskommando (USK) kritische Situationen nur noch mit körperlicher Gewalt oder dem Schlagstock lösen konnten. Wir haben zahlreiche Übergriffe gegen Aktivist*innen und Pressevertreter*innen beobachtet, es gab mehrere leicht Verletzte. Die menschenverachtende Aussage eines eingesetzten Beamten, er würde gerne mit dem Flammenwerfer gegen Feminist*innen vorgehen, reiht sich nahtlos ein in die Geschehnisse des gestrigen Tages. Wir werden das gemeinsam nachbearbeiten und gegebenenfalls auch rechtliche Schritte gegen die Einsatzleitung sowie einzelne Beamt*innen einleiten“, so Lina Weber. 

„Was aber vor allem hängen bleibt, ist unsere Freude darüber, dass an diesem Wochenende so viele Menschen gemeinsam mit uns auf die Straße gegangen sind. Denn gerade in Zeiten, in denen sich das politische und gesellschaftliche Koordinatensystem nach rechts verschiebt, wo rechte Parteien Stimmung gegen den Feminismus machen und radikale Abtreibungsgegner*innen uns das Recht auf Selbstbestimmung absprechen möchten, haben wir ein deutliches Zeichen gegen den reaktionären Backlash gesetzt.“ 

Alle Bildrechte liegen bei Reflektierter Bengel.