Redebeitrag auf der Demonstration gegen den 1000-Kreuze-Marsch 2018

Paragraph 219a… verbietet Arztpraxen Werbung bzw. die bloße Information auf ihrer Webseite darüber, dass sie Abtreibungen vornehmen. Unter anderem weil befürchtet wird, Ärztinnen könnten daraus Profit schlagen oder gar mehr Menschen zum Schwangerschaftsabbruch bringen. Zudem soll damit die Bagatellisierung und Normalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen verhindert werden.

Unsere U-Bahnen hingegen sind voll mit Werbung für Arztpraxen, die alles mögliche anbieten und somit “Profit” aus dem Leid von betroffenen Personen ziehen. Aber das macht nichts, denn von diesem Angebot profitieren wir schließlich alle. Krebsvorsorge ist für jeden Sinnvoll und von einer Schönheits-OP profitiert schließlich auch jeder. Wer erfreut sich nicht an hübschen, jung wirkenden Frauen mit großen Brüsten und perfekten Nasen….

Kurz gesagt, Schwangerschaftsabbrüche sind unser, aber nicht Ihr Problem. Es betrifft nur Menschen mit einer Gebärmutter. Also kein großes Ding, nichts worüber man sich sorgen machen müsste. Cis-Männer sterben immerhin nicht bei der Geburt. Cis-Männer sterben auch nicht bei illegalen und/oder unprofessionellen Abtreibungen. Cis-Männer erleben keine Schwangerschaftsdepression. Cis-Männer werden nicht ungewollt schwanger. Cis-Männer können sich nach dem Sex einfach verpissen. Cis-Männer haben schon immer in einer Pro-Choice Welt gelebt.

Aber hier geht es nicht um Cis-Männer, sondern um unser Wohlbefinden. Mein Körper, mein Kind, meine Zukunft, meine finanzielle Sicherheit, meine Gesundheit, meine psychische Gesundheit… meine Entscheidung!

Doch diese Entscheidung sollte nicht aus illegaler Abtreibung, der Belagerung durch Fundis vor Informationszentren und Abtreibungskliniken und aufgezwungener Verantwortung bestehen. Niemand sollte Kinder kriegen, wenn sie es nicht will. Sowohl zum Wohle des Kindes, als auch zum Wohle der betroffenen Person. Pro Lifer interessiert nicht das Leben an sich. Es interessiert sie letztendlich nur die Möglichkeit Frauen zu kontrollieren und zu unterdrücken. Es geht, wie so oft, um ein Machtverhältnis. Es geht, wie so oft um No-Choice!

Aber es geht hier nicht um sie, es geht um uns! My Body, My Choice!